Herzerkrankung & Therapie

Wir wollen Sie umfassend informieren. Auf den folgenden Unterseiten haben wir die häufigsten herzchirurgischen Eingriffe zusammengefasst. Dies soll Ihnen einen ersten Einblick in unsere Arbeit und das Tätigkeitsfeld der Herzchirurgie geben. Diese Informationen können keinesfalls ein persönliches Gespräch mit unseren Ärzten ersetzen. Wir legen grossen Wert auf eine persönliche und individuelle Betreuung der uns anvertrauten Patientinnen und Patienten. Haben Sie weitergehende Fragen? Wir möchten Sie ermuntern, alle angebotenden Kontaktmöglichkeiten zu nutzen.

Herzklappenoperation

Die Herzklappen sind Gewebetaschen oder -segel, die für die linke und rechte Herzkammer als Einlass- oder Auslassventil dienen. Die Funktionsstörung der Herzklappen besteht entweder in einer Verwachsung, Verdickung oder Verkalkung, die zu einer Einengung führt, oder aber in Ausweitungen oder Einrissen der Klappen, die kein vollständiges Schliessen der Klappen mehr zulassen. Sowohl verengte wie auch undichte Klappen führen zu einer vermehrten Arbeitsbelastung des Herzmuskels und können schliesslich in ein Herzversagen münden. Wenn Sie unter einer erkrankten Herzklappe leiden, können Sie den Verlauf der Krankheit beeinflussen, indem Sie Ihre Klappe schützen. Wichtig sind regelmässige Besuche bei Ihrem Herzspezialisten, die disziplinierte Einnahme der richtigen Medikamente, Vorbeugen von Infektionen (Endokarditis Prophylaxe, gute Mundpflege) und der rechtzeitige Entscheid zur Herzklappenoperation.

Ersatz mit Klappenprothese
Wenn die erkrankten Klappe nicht erhalten werden kann, wird diese durch eine Klappenprothese ersetzt. Die erkrankte Klappe wird entfernt und eine neue Klappenprothese eingesetzt. Wir sprechen von "mechanischen" oder "biologischen" Klappenprothesen. Als mechanische Klappen werden sogenannte Doppelflügelklappen verwendet. Der Vorteil dieser Klappen ist, dass sie eine praktisch unbegrenzte Lebensdauer haben, jedoch muss eine lebenslange Blutverdünnung eingenommen werden, damit sich keine Blutgerinnsel bilden. Biologische Klappenprothesen sind der menschlichen Herzklappe sehr ähnlich, die Gewebetaschen bestehen jedoch aus tierischem Gewebe. Im Gegensatz zu den mechanischen Klappen braucht es hier keine langfristige Blutverdünnung, dafür haben diese Klappen eine kürzere Lebensdauer. Sie beträgt in der Regel 10 bis 20 Jahre. Die moderne Herzklappenchirurgie zeichnet sich durch zwei neue Verfahren aus:

  • die Klappen-erhaltende Chirurgie
  • die minimal invasive Chirurgie

Klappen-erhaltende Chirurgie
Erkrankte Herzklappen werden vom Chirurgen repariert ("rekonstruiert") oder komplett ersetzt. Die Mitralklappe ist die am besten rekonstruierbare Herzklappe. Auch die Trikuspidalklappe und die Aortenklappe können in einigen Fällen mit speziellen Techniken repariert werden. In den letzten Jahren hat dieses Verfahren eine rasante Entwicklung genommen. Anhand von neuen diagnostischen Tests und in Abhängigkeit des Alters, der Herzstruktur und des Lebensstils können Sie zusammen mit unseren Herzspezialisten die für Sie am besten geeignete Operationstechnik bestimmen. Bei der Reparatur stellen moderne, chirurgische Techniken, teilweise ohne künstliche Materialen, die eigene Klappe wieder her. Die Vorteile der rekonstruktiven Herzklappenchiurgie sind:

  • Geringeres Infektionsrisiko
  • Vermeiden von lebenslänglicher Blutverdünnung
  • Erhalten der Herzmuskelkraft

Minimal invasive Chirurgie
Bei der traditionellen Klappenchirurgie wird der Chirurg das Brustbein ganz spalten, um direkten Zugriff zu allen Herzstrukturen zu haben. Dieses Verfahren wird heutzutage nur noch bei kombinierten Eingriffen verwendet (d.h. Operationen von mehr als einer Klappe oder mit zusätzlichen Bypässen etc.). Minimal invasive Herzklappenchirurgie ist ein Eingriff durch kleinere Hautschnitte und teilweise sogar ohne Herzlungenmaschine. Anhand der diagnostischen Tests wird Ihr Chirurg im Inselspital beurteilen können ob Sie ein Kandidat für eine minimal invasive Herzklappenchirurgie sind.

Mitralklappenoperation

Die Mitralklappe ist das Einlassventil zwischen dem linken Herzvorhof und dem linken Ventrikel. Die Mitralklappe besteht aus einem fibrotischen Ring, zwei Segeln und Sehnenfäden, welche diese Segel am Herzmuskel verankern.

Chirurgische Therapie
Bei der Mitralklappenrekonstruktion wir die Klappe repariert.  Dies ist die beste chirurgische Option für praktisch alle Patienten mit einer undichte Klappe (=Mitralklappeninsuffizienz ) und bei einigen Patienten mit verengter Klappe (=Mitralklappenstenose). Dem spezialisierten Herzchirurgen stehen verschiedene Techniken zur Verfügung, um die erkrankten Anteile der Mitralklappe (Ring, Segel, Sehnenfäden) zu reparieren. Verglichen mit dem Mitralklappenersatz bietet die Mitralklappenrekonstruktion

  • eine bessere Langzeitüberlebensrate
  • eine bessere Erhaltung der Herzfunktion
  • eine tiefere Komplikationsrate
  • und häufig ein Verzicht auf  blutverdünnende Medikamente.

Minimal invasives Verfahren
In der modernen Mitralklappenchirurgie kann auch ein minimal invasives Verfahren eine wichtige Option bei Mitralklappenoperationen sein. Dabei erfolgt der Zugang durch einen ca. fünf Zentimeter langen Hautschnitt zwischen den Rippen auf der rechten Brustkorbseite. Die Operation wird video-endoskopisch durchgeführt. Die Ziele dieses Verfahrens sind

  • Verringern der postoperativen Schmerzen, 
  • ein geringerer Blutverlust, 
  • ein geringeres Infektionsrisiko,
  • eine schnellere Wiedereingliederung ins Alltagsleben 
  • und ein kosmetischer Vorteil.

Ein neuartiges Verfahren erlaubt es, die Klappenprothese durch einen sehr kleinen Schnitt in der Leiste in den Körper einzuführen. Bereits heute kommt dieses Verfahren bei geeigneten und ausgewählten Patienten im Inselspital zum Einsatz.

 

Aortenklappenoperation

Anhand einer Reihe von Daten legt der Herzchirurg fest, ob eine Klappen-erhaltene Operation oder ein Klappenersatz in Frage kommt. Auch minimal invasive Operationsverfahren kommen zum Einsatz. Dabei erfolgt der Zugang durch einen acht Zentimeter langen Hautschnitt über dem Brustbein.  Das Brustbein wird nicht in ganzer Länge geteilt. Dadurch resultiert eine kleinere Hautnarbe und das  Brustbein wächst nach der Operation schneller zusammen. Die Wahl des richtigen Verfahrens bei Aortenklappenerkrankung hängt von vielen Umständen ab:

  • Alter des Patienten,
  • Sonstige Herz- oder Allgemeinerkrankungen und Medikamente,
  • Operationsrisiko,
  • Risiko der Bildung von Blutgerinnseln und Schlaganfallrisiko,
  • Risiko von Infektionen (Endokarditis),
  • Alterungsbeständigkeit und Form der Klappe,
  • Blutungsrisiko bei Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten,
  • Lebensstil des Patienten und persönliche Vorlieben,
  • erwartete Überlebensdauer

Neue Operationsverfahren
Bei einigen Patienten kann auch eine  
Katheter-gestützte Implantation einer Aortenklappenprothese (TAVI) indiziert sein. Diese Methode wird oft bei älteren Patienten gewählt, die ein hohes Operationsrisiko für die traditionelle offene Operation haben. Oft wird hierbei eine chirurgische Technik eingesetzt, die man als „transapikalen Klappenersatz“ bezeichnet: Dabei wird durch einen fünf Zentimeter langer Hautschnitt zwischen den Rippen auf der linken Brustkorbhälfte eine Klappenprothese in einem Katheter durch die Herzspitze eingeführt. Bei dieser Technik wird keine Herz-Lungen-Maschine benötigt. Weitere Informationen zu dieser Technik erhalten sie in nächten Kapitel "Klappenimplantation (TAVI)".

Katheter-Klappenimplantation

Die Herzchirugie am Inselspital war in 2007 die erste Schweizer Klinik, die eine Katheter gestützte Implantation einer Aortenklappenprothese angeboten hat. Dieses Verfahren ist primär geeignet für Patienten mit schwerer und symptomatischer Aortenklappen Stenosen, bei denen keine offene Herzchirurgie durchgeführt werden kann. Auch Patienten mit weit fortgeschrittenem Alter können von diesem Eingriff profitieren. Auf die Durchtrennung der Brustbeines (Sternotomie) und auf die Herz-Lungen-Maschine kann hierbei verzichtet werden.

Technik
Dieses schonende Verfahren erlaubt es, über einen kleinen Hautschnitt unterhalb der linken Brust, eine Klappenprothese mit Hilfe eines Katheters zu implantieren. Die Klappenprothese wird zunächst gefaltet in den Katheter eingebracht. Der Katheter wird dann dem Blutstrom folgend bis zum Zielort vorgeschoben, die neue Klappe freigegeben und entfaltet.

Vorteile
Die Vorteile gegenüber der Chirurgie am offenen Herzen: Der Klappenersatz erfolgt am schlagenden Herz ohne Herz Lungen Maschine. Dies schont den Patienten und erlaubt eine raschere Erholung. Weitere Vorzüge des direkten und verkürzten Zugang über die Herzspitze (transapikal) sind die genauere Platzierung und sichere Verankerung der neuen Klappe. Hochrisikopatienten und betagte Patienten haben eine deutlich reduzierte Komplikationsrate bei verkürzter Operationszeit. Nach dem weniger als 90 minütigen Eingriff werden die Patienten bereits wieder im wachen Zustand zur weiteren Betreuung auf die Intensivstation des Inselspital verlegt. In der Folge werden alle Patienten bei uns in einer spezialisierten Sprechstunde nachkontrolliert. Eine langfristige Blutverdünnung ist nicht notwendig.

Trikuspidalklappenoperation

Die Trikuspidalklappe ist das Einlassventil zwischen dem rechten Vorhof und dem rechten Ventrikel. Am häufigsten erkrankt die Trikuspidalklappe durch

  • Entzündungen und Infektionen,
  • Erweiterung des rechten Ventrikels,
  • Bluthochdruck im Lungenkreislauf,
  • Verletzungen,
  • Tumore,
  • angeborene Herzanomalien und
  • Lupus.


Meist wird die erkrankte Trikuspidalklappe nicht durch eine Prothese ersetzt, sondern mit rekonstruktiven Techniken repariert. In den meisten Fällen wird dies in Kombination mit anderen Klappenoperationen durchgeführt. Nicht rekonstruierbare Trikuspidalklappen müssen durch eine Klappenprothese ersetzt werden.

Pulmonalklappenoperation

Erkrankte Pulmonalklappen werden vor allem im Zusammenhang mit angeborenen Herzfehlern operiert. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite Angeborene Herzfehler .

Brustschlagader-Aneurysma

Die Hauptschlagader (Aorta) entspringt dem Herz und endet auf Bauchnabelhöhe mit der Aufzweigung in die Beckenschlagadern. Aneurysmen (Erweiterungen) der Brustschlagader oder der Schlagader am Übergang vom Brust- in den Bauchbereich sind wesentlich seltener als das Bauchaortenaneurysma (Einteilung nach Crawford). Sie entstehen einerseits durch kontinuierliches Wachsen im Rahmen von erhöhtem Blutdruck, chronischen Lungenerkrankungen oder bei Rauchern. Andererseits kann ein Aneurysma nach einer Dissektion (Einriss der Innenschicht) entstehen, weil die Wand geschwächt ist. Seltenere Ursachen sind Bindegewebserkrankungen, die vererbt sein können. Das primäre Behandlungsziel ist offensichtlich: nämlich, das Platzen des Aortenaneurysmas, die sogenannte Aortenruptur, durch eine prophylaktische 'Wahl-'Operation zu verhindern. Der Einriss einer Hauptschlagader ist meist ein fatales Ereignis, das nur wenige Patienten überleben.

Klinisches Bild
Typischerweise macht eine Erweiterung der Brustschlagader keine oder sehr unspezifische Beschwerden, zumindest keine Schmerzen. Gelegentlich kann eine neu aufgetretene Heiserkeit, Schluck- oder Atemschwierigkeiten oder Rückenschmerzen darauf hinweisen. Oft werden sie rein zufällig entdeckt, weil aus anderen Gründen ein Röntgenbild oder eine Computertomografie angefertigt wurden. Typische Symptome und Zeichen einer Aortenruptur sind ein plötzlicher Kollaps, ein plötzlicher Schmerz im Rücken und der Blutungsschock.

Diagnostik
Das Rupturrisiko hängt primär vom Gefässdurchmesser ab, wird aber von weiteren Risikofaktoren verstärkt. Zu diesen gehören Rauchen, das weibliche Geschlecht, Bluthochdruck, Rupturen in der Verwandtschaft, bestimmte Lungenerkrankungen und eine exzentrische Kugelform des Aneurysmas. Die Diagnose wird mit Hilfe der Computer-Tomografie der Magnet-Resonanz-Angiografie (MRI) gestellt.

Zeitpunkt der Behandlung
Kritisch wird es bei Männern ab einem Maximaldurchmesser von 5 Zentimetern und bei Frauen ab 4,5 bis 5 Zentimetern, oder bei Zunahme des Durchmessers von über einem Zentimeter innerhalb eines Jahres. Das Risiko, dass die Schlagader platzen und der Patient innerlich verbluten kann, nimmt dann deutlich zu. Wenn die Schlagader noch nicht die kritische Grösse erreicht hat, wird das Wachstum regelmässig mit Kontrollen in der Aortensprechstunde überwacht. Die Aortensprechstunde haben wir extra für Patienten mit Erkrankungen an der Brustschlagader eingerichtet. Vor einer Behandlung sind ausgedehnte Zusatzuntersuchungen des Herzens, der Lunge und anderer Organe notwendig, damit das Behandlungsrisiko abgeschätzt werden kann.

Operationstechnik
Die Therapie der Erweiterung der Brustschlagader richtet sich im Wesentlichen nach der Anatomie. Lokal begrenzte Aneurysmen können gut mit einer beschichteten Drahtprothese, einem Stentgraft, behandelt werden. Der Stentgraft wird dann durch eine Leistenschlagader eingeführt und an entsprechender Stelle unter Durchleuchtungskontrolle platziert. Dieser Eingriff ist relativ kurz und wird gut ertragen, weshalb man die Behandlung auch minimal-invasiv bezeichnet. Im Idealfall müssen durch den Stentgraft keine wichtigen abgehenden Äste der Aorta überdeckt werden. Falls dies aber der Fall ist, können unter Umständen Stentgrafts mit Seitenarm-Prothesen oder mit Aussparungen (Fenestrationen) angefertigt und eingesetzt werden. Diese Eingriffe können zeitintensiv sein und die Belastung durch Röntgenstrahlen kann erheblich sein. Ausserdem sind die Gefässprothesen sehr teuer. Wenn die vorher erwähnte Methode aus anatomischen Gründen nicht möglich ist, ersetzen wir die Aorta mit einem Kunststoffrohr durch einen offenen Eingriff. Unter Umständen müssen dazu beide Körperhöhlen (Brusthöhle und Bauchhöhle) eröffnet werden. Abgehende Schlagadern werden in die Kunststoffprothesen eingenäht. Solche Eingriffe werden mit Hilfe der Herzlungenmaschine unter Einlungen-Beatmung durchgeführt und können 6 bis 9 Stunden dauern. Hier am Inselspital haben wir langjährige Erfahrung mit solchen Eingriffen und arbeiten zur Überwachung der Rückenmarksfunktion eng zusammen mit der Universität Maastricht in Holland. Vor einem solchen Eingriff sollte der Patient in guter Verfassung sein und seine Atmung im Hinblick auf den Eingriff auf trainieren. Die Dauer des Spitalaufenthaltes dauert in diesen Fällen 14 Tage gefolgt von einer stationären Rehabilitation von 4 Wochen.

Nachbehandlung
Nach Stentgraft-Behandlung führen wir noch vor Austritt eine CT-Angiographie als postoperative Ausgangsuntersuchung durch. Nach abgeschlossener Heilung der Leistenwunden sind diese Patienten meistens rasch wieder leistungsfähig und selten länger als 2 - 4 Wochen arbeitsunfähig. Wegen der Gefahr des Nachrutschens der Stentgraft-Prothesen oder des Auftretens von Endoleckagen müssen diese Patienten langfristig und regelmässig klinisch und mittels Computertomogramm in der Aortensprechstunde nachuntersucht werden. Nach offenem Aortenersatz erfolgt vor Austritt eine Bildgebung. Die Arbeitsunfähigkeit beträgt in der Regel 3 Monate. Es ist vorranggig, dass die Patienten sich gut vom Eingriff erholen und in den ersten 3 Monaten nicht einem strengen Trainingsprogramm zugeführt werden. Nach 6 Monaten werden die Patienten zu einer klinischen und Röntgen-Verlaufskontrolle in die Aortensprechstunde aufgeboten. Eine Computertomografie oder MR-Angiografie (MRI) wird in der Regel vorgängig am gleichen Tag durchgeführt. Wir empfehlen, das Tragen von Gewichten über 5 bis 10kg für 3 Monate zu vermeiden und lebenslang nicht mehr als 20 Kg zu heben. Patienten mit Erkrankungen der Brustschlagader sollten langfristig in Kontrolle bleiben. Wenn die Aorta stabil ist, werden die Abstände zwischen den Kontrollen länger und können im besten Fall alle 5 Jahre erfolgen.

Aortendissektion

Bei einer Aortendissektion entstehen Wandrisse der inneren Schicht der Hauptschlagader (Aorta), ohne dass die äussere Schicht der Gefässwand unterbrochen wird. Diese kann spontan oder nach schweren Anstrengungen auftreten, oft in direktem Zusammenhang mit einem erhöhten Blutdruck. Das Blut wühlt sich in der Folge einen Weg zwischen den inneren zwei Wandschichten und der äusseren Wandschicht der Hauptschlagader. Der Patient verspürt in der Regel einen noch nie erlebten, messerstich-artigen Schmerz zwischen den Schulterblättern, der entlang der Wirbelsäule nach unten wandert. Die Hauptgefahr bei den Dissektionen liegt darin, dass es zu einer Mangeldurchblutung von Organen oder Gliedern kommen kann, weil wichtige Seitenäste der Hauptschlagader verstopfen oder eingeengt sind. Gelegentlich kann der Druck auf die äussere Schicht so gross sein, dass diese einreisst und eine schwere Blutung entsteht. Dann ist der Patient in einer lebensbedrohlichen Situation.

Operationstechnik
Um Mangeldurchblutungen von Herz und Gehirn zu vermeiden werden akute herznahe Dissektionen in einer Notoperation durch einen Herzchirurgen operiert. Dissektionen, die primär Brust- oder Bauchschlagader betreffen, werden zunächst konservativ, das heisst durch medikamentöse Senkung des Blutdrucks und mit Schmerzmittel, behandelt. Eine Mangeldurchblutung der Bauchorgane oder der Beine kann oft mittels Einlage eines Stentgrafts verbessert werden. Gelegentlich muss die Membran, die eingerissen ist, kathetertechnisch gefenstert werden. Damit können offene Operationen in der Akutphase der Dissektion verhindert werden. Unabhängig der Behandlungsart müssen Patienten mit Aortendissektionen lebenslänglich nachkontrolliert werden, da die Wandschicht der Hauptschlagader nach dem Riss geschwächt bleibt. Der Durchmesser der Hauptschlagader beginnt in der Folge langsam zu wachsen. Etwa bei einem Drittel der Patienten wird nach Monaten oder gar vielen Jahren ein offener Ersatz der Hauptschlagader notwendig, weil die Hauptschlagader den Durchmesser von sechs Zentimetern erreicht hat (siehe Kapitel „Brustschlagader-Aneurysma“). Eine Behandlung mittels Stentgraft ist in dieser Situation oft nicht möglich. Patienten nach Aortendissektionen werden bei uns lebenslänglich in der Aortensprechstunde nachkontrolliert.

Nachbehandlung
Die Arbeitsunfähigkeit beträgt in der Regel drei Monate. Es ist wichtig, dass Patienten nach einer Aortendissektion – egal ob sie operiert wurden oder nicht - sich körperlich schonen und in den ersten sechs Monaten keinesfalls  einem strengen Trainingsprogramm zugeführt werden! Körperlich Leistungsfähigkeit ist in dieser Phase, in der die Hauptschlagader am anfälligsten ist, nebensächlich. Nach sechs Monaten werden die Patienten zu einer klinischen und Röntgen-Verlaufskontrolle in die Aortensprechstunde gebeten. Davor wird in der Regel eine  Computertomografie oder MR-Angiografie (MRI) am gleichen Tag durchgeführt. Wir empfehlen, das Tragen von Gewichten über fünf bis zehn Kilogramm für drei Monate zu vermeiden und lebenslang nicht mehr als 20 Kilogramm zu heben. Patienten mit Aortendissektionen sollten langfristig in medizinischer Kontrolle bleiben. Erst wenn die Hauptschlagader stabil ist, werden die Abstände zwischen den Kontrollen länger und können im besten Fall alle fünf Jahre erfolgen.

Herzrhythmuschirurgie

Vorhofflimmern ist definiert als eine Herzrhythmusstörung, die klinisch durch einen unregelmässigen Herzschlag bzw. Puls charakterisiert ist. Grund ist eine Überleitung von chaotischen, elektrischen Aktivitäten von den Herzvorhöfen auf die Herzkammern. Vorhofflimmern ist alles andere als harmlos. Die Sterberate ist bei Patienten mit Vorhofflimmern etwa doppelt so hoch wie bei Gleichaltrigen mit normalem Herzrhythmus. Im Durchschnitt erleiden Patienten mit Vorhofflimmern fünf bis sieben Mal häufiger einen Schlaganfall. Darum müssen alle Patienten mit Vorhofflimmern ein Medikament zur Blutverdünnung einnehmen. Die Betroffenen klagen meist über unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Herzklopfen, Herzrasen oder Schlafstörungen. Darüber hinaus bedeutet Vorhofflimmern bei vielen Patienten eine deutlich verminderte körperliche Leistungsfähigkeit.

Ablation
Neue Entwicklungen in der Ablation (“Verödung”) in den Herzvorhöfen durch chirurgisch minimal invasive Verfahren, durch kathetertechnische Verfahren oder durch eine Kombination beider Verfahren erlauben es, einen grossen Anteil der Patienten mit Vorhofflimmern zu heilen. Im allgemeinen gilt, dass in erster Linie Patienten mit symptomatischem paroxysmalem (intermittierendem) Vorhofflimmern von der minimal invasiven Katheterablation profitieren. Ausgenommen davon sind Patienten, die ohnehin eine grössere Herzoperation am offenen Brustkorb benötigen. Hier kann die Ablation direkt während der  Herzoperation durchführt werden. Je länger andauernd das Vorhofflimmern ist und in Folge umso mehr strukturelle Veränderungen im Herz vorhanden sind, desto eher wird eine chirurgische oder kombinierte (chirurgisch-kathetertechnische) Behandlung das Ziel erreichen.

Kombinationsbehandlung
Nur ein interdisziplinäres Team von Elektrophysiologen und Herzchirurgen kann dem Patienten die für ihn geeignetste Therapie anbieten: chirurgische Behandlung, kathetertechnische Behandlung oder eine Kombinationsbehandlung. Dank der grossen Erfahrung und hochmoderner elektrophysiologischer 3D-Mappingsysteme erhält jeder Patient am Inselspital eine auf ihn abgestimmte Behandlung. Das Inselspital ist Pionier und bisher einziges Spital schweizweit, das eine solche kombinierte Therapie - chirurgisch minimal invasiv und kathetertechnisch - während eines einzigen Eingriffs anbietet.

 

Schrittmacherimplantation

Zum herzchirurgischen Therapiespektrum gehört auch die Implantation von Herzschrittmachern, Defibrillationgeräten und Resynchronisationssystemen. Sie kommen bereits bei jungen Patienten mit angeborenen Herzfehlern zum Einsatz. Einzelkammer- und Doppelkammer-Herzschrittmacher werden bei uns implantiert, wenn die elektrischen Herzreizleitungsbahnen nach einer Herzoperation ein nicht mehr ausreichendes Signal für einen normalen Puls erzeugen können. Dieser Eingriff wird in lokaler Betäubung gemacht. Dabei werden eine oder zwei Elektroden endovaskulär (intravenös) bis an die rechte Herzkammer eingeführt. Das andere Ende der Elektroden wird am Batterieaggregat angeschlossen. Das Batterieaggregat wird unter der Haut auf Höhe des Schlüsselbeins versteckt implantiert.

Epikardiale Ablation
Neben der endovaskulären (intravenösen) Implantation von Herzschrittmachern besteht die Möglichkeit, die Elektroden direkt auf dem Herz (Fachbegriff: "epikardial") zu platzieren. Dieser Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt. Hier kommen minimal invasive endoskopische Techniken zum Einsatz, welche eine kurze Operationszeit und eine schnelle Erholung nach der Operation erlauben. Diese so genannte videoassistierte thorakoskopische Elektrodenimplantation wird in unserer Klinik insbesondere für Patienten angeboten, die einen Drei-Kammerschrittmacher erhalten. Bei dieser kardialen Resynchronisationstherapie, kurz CRT, dient der Schrittmacher der Verbesserung der Herzpumpleistung bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz.

Herztumorchirurgie

Etwa 75 Prozent aller Herztumore sind gutartig. Auch bei gutartigen Herztumoren hängt die korrekte Identifikation des Tumors und die Überlebensprognose von der richtigen chirurgischen Operationstechnik ab. Das Auftreten eines Herztumors kann schwerwiegende Konsequenzen haben, da lebenswichtige Strukturen am Herz geschädigt werden können. Wichtige Eigenschaften solcher Tumoren sind: Lokalisation, Grösse, Mobilität, Zerbrechlichkeit und Invasivität. Man bestimmt diese Parameter mit modernsten Bildgebungsverfahren in interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Radiologie, Onkologie, Kardiologie, Rhythmologie und Herz-Gefässchirurgie.

Häufigkeit
Primäre Herztumoren sind relativ selten. Die Häufigkeit variiert zwischen 0.001 bis 0.3 Prozent in Autopsien. Sogar der häufigste Herztumor, das so genannte Myxom, tritt bei weniger als zwei bis drei Personen pro 100'000 Einwohnern auf.

Herztransplantation

Herztransplantation bedeutet das Verpflanzen des gesunden Herzens eines hirntoten Spenders in einen herzkranken Patienten. Sie ist eine Behandlungsmöglichkeit für Patienten, deren Herzfunktion trotz ausgeschöpfter Behandlung mit Medikamenten so schwer vermindert ist, dass sie bei geringster Anstrengung oder schon in Ruhe an Atemnot oder Herzschmerzen leiden. Solche Patienten können ohne Transplantation nicht überleben. Die Herztransplantation hat sich als Routineeingriff in der Schweiz seit 1985 etabliert. In Bern werden seit Sommer 1994 pro Jahr ca. 15 Herztransplantationen durchgeführt. Die Sterblichkeit innerhalb eines Jahres nach der Transplantation beträgt nur etwa zehn Prozent. Auch im weiteren Verlauf gibt es nur selten transplantatbedingte Todesfälle zu beklagen.

Nachbehandlung
Der operative Eingriff ist nicht komplizierter als andere Herzoperationen. Nach der Operation bleiben die Patienten in der Regel zwei bis vier Tage auf der Intensivstation, dann noch zwei bis drei Wochen auf der normalen Bettenstation. Während dieser Zeit müssen vor allem die Medikamente zur Unterdrückung der Abstossungsreaktion eingestellt werden. Meist ist der Patient bereits bei Spitalaustritt leistungsfähiger als vor der Operation. Im Laufe von zwei bis drei Monaten erreicht er wieder eine normale Belastbarkeit und eine gute Lebensqualität. In der Regel kann auch die Arbeit wieder aufgenommen sowie Sport ausgeübt werden. Regelmässige Kontrollen beim Kardiologen und beim Hausarzt sind wichtig.

Kunstherz

Wegen des fortwährenden Mangels an Spenderorganen gibt es immer mehr Patienten auf der Warteliste für eine Transplantation. Es kommt zu immer längeren Wartezeiten, die das Risiko, noch vor der Transplantation auf der Warteliste an Herzversagen zu sterben, erhöhen.

Überbrückung bis zur Transplantation
Aus diesem Grund wurden alternative Therapien mit sogenannten Kunstherzen entwickelt. Kunstherzen sind Systeme zur mechanischen Kreislaufunterstützung, die es ermöglichen, Patienten mit schwerem Herzversagen am Leben zu erhalten und ihren Zustand zu verbessern. Diese können als Überbrückung bis zu einer Transplantation oder in seltenen Fällen bis zur Erholung des Herzmuskels eingesetzt werden. Bestrebungen sind im Gange, die Kunstherzen auch zur dauerhaften Therapie verwenden zu können. Es gibt Systeme, welche nur die linke Herzkammer oder aber beide Herzkammern unterstützen. Die Hauptprobleme der Therapie mit Kunstherzen bestehen im Auftreten von Infektionen und Komplikationen durch Blutgerinnsel, welche trotz ausreichender Blutverdünnung auftreten können. In unserer Klinik werden sowohl körperexterne Systeme wie auch im Körper befindliche Systeme verwendet.