Gentherapie am Herz

Dr. med. Henriette Most, geb. Brinks

Auch wenn der Fortschritt der konventionellen Therapien von Herzinsuffizienz einen stetigen Erfolg in der Reduktion der Mortalität zu verzeichnen hat, benötigen wir neue, innovative Strategien, um Herzmuskelversagen zu vermeiden und zu heilen. Während sich die bisherige Therapie um Vermeidung eines Fortschreitens der Krankheit bemüht, entwickeln sich neue Methoden, um mittels Stammzell- oder Gentherapie nicht nur die verbliebenen, gesunden Herzmuskelzellen zu schützen, sondern vor allem auch die erkrankten, dysfunktionalen zu behandeln.

Im Bereich der Gentherapie befindet sich die kardiovaskuläre Medizin im Gegensatz zur Augenheilkunde oder zur Onkologie noch in der Erprobungsphase, vor allem aufgrund der Vielfalt der möglichen Zielmoleküle und der schwierigen Applikation am Herzen. Die Herausforderung besteht darin, den Herzmuskel durch gezielten Ersatz von geschädigtem Gewebe und verlorenen Substanzen zu stärken und dadurch Herzmuskelversagen und damit Transplantationsbedarf zu verringern. 

Meine wissenschaftlichen Laufbahn begang 2006 mit der Mitarbeit an einem der Forschungsprojekte der Klinik: „Therapie der Herzinsuffizienz durch mechanische Unterstützungssysteme“. Die erfolgreiche Arbeit führte zu einem Stipendium des Schweizer Nationalfonds (SNF) für einen zweijährigen Forschungsaufenthalt am Center for Translational Medicine der Thomas Jefferson Universität bei Professor Koch.

In zwei Jahren intensiver Forschungsarbeit erarbeitete ich die möglichen Verbindung von Techniken der Zell- und Gentherapie mit dem Einsatz von kreislaufunterstützenden Pumpensystemen in der Herzchirurgie. So arbeitete ich in der Gruppe von Professor Koch am Nachweis der Wirksamkeit von zwei möglichen therapeutischen Substanzen, die mittels eines nicht-infektiösen Virus in die erkranken Herzzellen eingeschleust werden und dort verlorengegangene Attribute, wie die Reaktion auf Catecholamine und die Regulation des Calciumstoffwechsels wiederherstellen und somit die Kontraktionskraft des Herzens erhöhen können. Vielversprechende prä-klinische Daten aus Grosstierversuchen ermöglichen jetzt die sorgfältige Evaluation und Planung der Erprobung dieser zwei Moleküle in ersten klinischen Studien.

Mit unserem Forschungsprojekt möchte ich die Verbindung schlagen zur chirurgischen Therapie bei Herzinsuffizienz, welche in der Implantation von kreislaufunterstützenden Pumpensystemen besteht, die entweder die Zeit bis zu einer Transplantation überbrücken oder aber auch als Überbrückung bis zur Erholung der eigenen Herzfunktion und damit einer möglichen Vermeidung von Transplantationen dienen könnten. Die Kollaboration mit der Forschungsgruppe um Dr. Koch stellt hier eine sehr wichtige Verbindung zur Grundlagenforschung dar.