Intensivmedizin

Dr. med. David Reineke

Nach sechs Jahren als Assistenzarzt in der Herzchirurgie der Universitäten Basel  und zuletzt in Bern unter Professor Thierry Carrel stand am Ende meiner Facharztausbildung unweigerlich das intensivmedizinische Weiterbildungssemester vor der Tür. Um diese Weiterbildungszeit so effektiv und spannend wie möglich zu gestalten, entschied  Professor Carrel und ich, dass wohl eine rein kardiovaskuläre Intensivstation für den letzten noch fehlenden Schliff am besten wäre. 

Landauf landab findet man heute in der Regel interdisziplinäre Intensivstationen, die von Anästhesie-Fachärzten geleitet werden. In wenigen Spitälern befinden sich Intensivstationen, die als Teil der herzchirurgischen Fachabteilung, einem Facharzt für Herzchirurgie unterstehen.  Gerade solch eine Konstellation erschien mir aber genau die richtige zu sein, um als  künftiger Herzchirurg „über den Tellerrand hinaus“ intensivmedizinische Behandlungskonzepte bei herzoperierten Patienten zu verstehen und anzuwenden. Recht schnell fiel die Entscheidung auf die renommierte Herz- und Gefässchirurgie der Universitätsklinik Freiburg.

Am Uniklinikum Freiburg werden unter der Leitung von Professor Friedhelm Beyersdorf herzchirurgische Patienten auf einer 18 intensivmedizinische Betten umfassenden Intensivstation versorgt. Seit meinem Dienstantritt am 1. Juli 2010 hat sich mein Arbeitsalltag von einem sehr operativ geprägten Tagesablauf hin zu einer prä- und postoperativen ganzheitlichen intensivmedizinischen Versorgung instabiler Patienten erweitert. 

Abläufe, die ich bis zu diesem Zeitpunkt als chirurgisch tätiger Arzt - natürlich unter gewisser Einflussnahme - nur passiv begleiten konnte, gehören nun zu meinen Kernaufgaben. Intensivmedizinische Therapieziele,  Kathecholamingaben, Tracheotomien und Kathetereinlagen werden ab sofort nicht mehr nur dankend angenommen, kommentiert, oder im schlimmsten Fall bemängelt, sondern selbst geplant und durchgeführt: Für mich persönlich eine völlig neue Bereicherung meines chirurgischen Fachgebietes, ein Agieren aus bisher nicht bekannter Perspektive und ganz sicherlich eine lehrreiche Zeit.