Gefässentzündung und -infekt

Grundsätzlich muss zwischen Gefässentzündungen (ohne Anwesenheit von Infektionskeimen) und Gefässinfektionen (verursacht durch Infektionskeime) unterschieden werden. Rein entzündliche Gefässerkrankungen, sogenannte vaskulitische Erkrankungen oder Vaskulitiden, sind chronische, nicht durch Mikroorganismen verursachte Gefässentzündungen, welche meist medikamentös durch den Rheumatologen behandelt werden. Bei den Gefässinfekten werden zwei Arten unterschieden: Der seltene, primäre Infekt tritt spontan auf. In der Regel handelt es sich um eine Einnistung von Mikroorganismen in die Gefässwand via Blutkreislauf (etwa bei Blutvergiftungen). Es entstehen lokalisierte, sogenannte mykotische Gefässerweiterungen. Im Gegensatz dazu treten sekundäre Infekte nach einer Gefässoperation auf. Dies kann früh nach der Operation aber auch mehrere Jahre nach dem Eingriff auftreten.

Riskofaktoren
Risikofaktoren für eine Infektion sind unter anderem Notfalleingriffe, Mehrfacheingriffe, Verwendung von künstlichem Prothesenmaterial und Patientenfaktoren wie Zuckerkrankheit, Rauchen, Übergewicht und Mangelernährung. Durch eine Antibiotikum-Prophylaxe kann man die Häufigkeit von sekundären Infekten reduzieren, aber letztlich nicht immer ganz verhindern.

Diagnostik und klinisches Bild
Bei früh postoperativ auftretenden Infekten finden sich meist typische Zeichen wie Schwellung, Rötung, Überwärmung, Schmerzen und Wundsekretion. In der Laboruntersuchung zeigen sich erhöhte infektspezifische Blutwerte. Oft gelingt ein Bakteriennachweis in Blutkulturen oder Abstrichen. Bei Spätinfekten bestehen unspezifische Symptome wie reduzierter Allgemeinzustand, Unwohlsein, gelegentliches Fieber und Gewichtsverlust. Häufig fehlt ein Anstieg der üblichen Infektwerte, der Nachweis eines Erregers ist nicht immer möglich. Neben der klinischen und laborchemischen Untersuchung kommen in der Diagnostik der Ultraschall (Sonographie) und die Schichtbildgebung (Computertomografie oder Kernspintomografie) zum Einsatz. In den letzten Jahren wird zunehmend eine Kombinationsuntersuchung mittels Computertomogramm und Positronen-Emissions-Tomographie (PET-CT) durchgeführt. Mit diesem Verfahren können Infektherde im gesamten Körper nachgewiesen werden.

Operationstechnik
Wird ein Infekt im Bereich einer Kunststoffprothese nachgwiesen, kann meist nur ein chirurgischer Eingriff eine Heilung herbeiführen. Der gesamte infizierte Gefässbereich muss dann ersetzt werden. Dazu verwenden wir, wenn immer möglich, biologisches Material wie körpereigene Venen, Gefässe - hergestellt aus Rinderherzbeutel- oder kältekonservierte Gefässe eines Organspenders (Homograft). Nur ausnahmsweise verwenden wir silber- oder antibiotikumimprägnierte Kunststoffprothesen.

Nachsorge
Nach der Operation ist eine Langzeit-Antibiotikumtherapie für mindestens drei bis sechs Monate notwendig. Die Prognose ist gut, wenn die Infektion vollständig ausgeschaltet werden konnte. Falls eine operative Sanierung nicht möglich ist, muss eine lebenslange Antibiotikumtherapie durchgeführt werden. Alle Patienten werden zur Nachkontrolle in unsere angiologische-gefässchirurgische Poliklinik gebeten.