Hyperthermiebehandlung

Die hypertherme, intraoperative, extrakorporale Chemotherapie [HIPEC] kommt bei malignen Tumoren zur Anwendung und kann bei folgenden Situationen in Erwägung gezogen werden:

  • Lokal weit fortgeschrittenes Tumorleiden, welche eine Entfernung des Tumors mit ausreichendem Sicherheitsabstand nicht ermöglicht.
  • Ein operatives Entfernen des Tumors kann den Erhalt wichtiger Strukturen nicht gewährleis­ten
  • Der Tumor ist nach bereits erfolgter chirurgischer Resektion an der gleichen Stelle wieder aufgetreten
  • Eine primär chirurgische Entfernung des Tumors war nicht möglich.

    Der Hintergrund einer HIPEC ist die sogenannte "Temperatur-Dosis-Wirkung-Beziehung" der Zy­tostatika. Dies bedeutet, dass man einen höheren Wirkungsgrad der Medikamente erzielen kann, wenn die Konzentration des Medikaments erhöht wird. Gleichzeitig besitzt die regionale Anwendung der Zytostatika den Vorteil der Reduktion von Nebenwirkungen bedingt durch die geringere systemi­sche Toxizität. Ein selektiver antitumoraler Effekt wird durch die intraabdominelle Temperatur-Zeitspektrum von 40.0 bis 44.0 C° / 60 - 90 min. erreicht.

    Dabei begründet sich dieser selektive Effekt auf bestimmten tumorbiologischen Grundlagen. So be­steht insbesondere ein wesentlicher Unterschied im Aufbau des Gefäßsystems zwischen Tumorge­webe und gesundem Gewebe. Während der Aufbau des Gefässsystems in unserem Körper wohl strukturiert und gleichmäßssg ist, ist er im Tumor chaotisch und unstrukturiert. So wechseln im Tumorgewebe Bereiche mit einer Luxusperfusion mit anderen Bereichen mit einer Minderperfusion ab. Dies führt diese Areale zur Hypoxie und Übersäuerung mit erniedrigtem pH-Wert. Diese Bedingungen machen Tumorgewebe empfindlicher für eine Hyperthermie als normales Gewebe, da insbesondere die Temperatur nicht adäquat abgeleitet werden kann. Die Auswahl der Medikamente für die perioperative intraperitoneale Chemotherapie beruht auf der Fähigkeit der Medikamente, einen direkten zytotoxischen Effekt innerhalb eines kurzen Zeitinter­valls zu bewirken; folglich darf deren Wirkung nicht auf eine Phase des Zellzyklus beschränkt sein. Die Dauer der Phasen ist vom Zelltyp und Organismus abhängig.