Welttag der Aortendissektion

Mittwoch, 14. September 2016, 16:33 Uhr

Mit der erstmaligen Teilnahme am Welttag der Aortendissektion am 19. Septemer 2016 setzt die Insel Gruppe ein Zeichen: Die Aufklärung über diese seltene Krankheit ist wichtig. Eine rasche und korrekte Diagnose kann Leben retten. (Bilder zum Vergrössern anklicken)

Eine Aortendissektion ist lebensbedrohlich: Wenn die innere Gefässwand der Hauptschlagader (Aorta) einreisst, fliesst Blut zwischen die Wandschichten. Das kann dazu führen, dass die Hauptschlagader komplett durchreisst und verschiedener Organe nicht mehr ausreichend durchblutet werden. 50% der Patienten überleben die ersten 24 Stunden ohne Operation nicht. Das heisst, eine rasche und korrekte Diagnose ist bei dieser seltenen Krankheit von entscheidender Bedeutung. Noch vor wenigen Jahrzehnten endeten die meisten Krankheitsfälle mit dem Tod; heute können sie meist rechtzeitig behandelt werden.

Symptome
Bei einer Aortendissektion entstehen Wandrisse der inneren Schicht der Hauptschlagader (Aorta), ohne dass die äussere Schicht der Gefässwand unterbrochen wird. Diese kann spontan oder nach schweren Anstrengungen auftreten, oft in direktem Zusammenhang mit einem erhöhten Blutdruck. Das Blut wühlt sich in der Folge einen Weg zwischen den inneren zwei Wandschichten und der äusseren Wandschicht der Hauptschlagader. Der Patient verspürt in der Regel einen noch nie erlebten, messerstich-artigen Schmerz zwischen den Schulterblättern, der entlang der Wirbelsäule nach unten wandert. Die Hauptgefahr bei den Dissektionen liegt darin, dass es zu einer Mangeldurchblutung von Organen oder Gliedern kommen kann, weil wichtige Seitenäste der Hauptschlagader verstopfen oder eingeengt sind. Gelegentlich kann der Druck auf die äussere Schicht so gross sein, dass diese einreisst und eine schwere Blutung entsteht. Dann ist der Patient in einer lebensbedrohlichen Situation.

Operationstechnik
Um Mangeldurchblutungen von Herz und Gehirn zu vermeiden werden akute herznahe Dissektionen in einer Notoperation durch einen Herzchirurgen operiert. Dissektionen, die primär Brust- oder Bauchschlagader betreffen, werden zunächst konservativ, das heisst durch medikamentöse Senkung des Blutdrucks und mit Schmerzmittel, behandelt. Eine Mangeldurchblutung der Bauchorgane oder der Beine kann oft mittels Einlage eines Stentgrafts verbessert werden. Gelegentlich muss die Membran, die eingerissen ist, kathetertechnisch gefenstert werden. Damit können offene Operationen in der Akutphase der Dissektion verhindert werden. Unabhängig der Behandlungsart müssen Patienten mit Aortendissektionen lebenslänglich nachkontrolliert werden, da die Wandschicht der Hauptschlagader nach dem Riss geschwächt bleibt. Der Durchmesser der Hauptschlagader beginnt in der Folge langsam zu wachsen. Etwa bei einem Drittel der Patienten wird nach Monaten oder gar vielen Jahren ein offener Ersatz der Hauptschlagader notwendig, weil die Hauptschlagader den Durchmesser von sechs Zentimetern erreicht hat (siehe Kapitel „Brustschlagader-Aneurysma“). Eine Behandlung mittels Stentgraft ist in dieser Situation oft nicht möglich. Patienten nach Aortendissektionen werden bei uns lebenslänglich in der Aortensprechstunde nachkontrolliert.

Nachbehandlung
Die Arbeitsunfähigkeit beträgt in der Regel drei Monate. Es ist wichtig, dass Patienten nach einer Aortendissektion – egal ob sie operiert wurden oder nicht - sich körperlich schonen und in den ersten sechs Monaten keinesfalls  einem strengen Trainingsprogramm zugeführt werden! Körperlich Leistungsfähigkeit ist in dieser Phase, in der die Hauptschlagader am anfälligsten ist, nebensächlich. Nach sechs Monaten werden die Patienten zu einer klinischen und Röntgen-Verlaufskontrolle in die Aortensprechstunde gebeten. Davor wird in der Regel eine  Computertomografie oder MR-Angiografie (MRI) am gleichen Tag durchgeführt. Wir empfehlen, das Tragen von Gewichten über fünf bis zehn Kilogramm für drei Monate zu vermeiden und lebenslang nicht mehr als 20 Kilogramm zu heben. Patienten mit Aortendissektionen sollten langfristig in medizinischer Kontrolle bleiben. Erst wenn die Hauptschlagader stabil ist, werden die Abstände zwischen den Kontrollen länger und können im besten Fall alle fünf Jahre erfolgen.

Welttag
Unter der Leitung von Prof. Thierry Carrel werden im Zentrum für Herz- und Gefässchirurgie am Inselspital jährlich rund 400 Eingriffe an den Aorta geleistet – mehr als in anderen Zentren der Schweiz. Es ist Thierry Carrel ein Anliegen, den Welttag der Aortendissektion zu nutzen und über die Krankheit zu informieren: Ursachen, Prävention, Früherkennung und Behandlung. Er möchte aufzeigen, was die Medizin heute auf diesem Gebiet zu leisten vermag und welche Behandlungskonzepte das Zentrum für Herz- und Gefässchirurgie der Insel Gruppe anbieten kann. Aufklärung ist essentiell, denn die Krankheit ist nicht leicht erkennbar. Die schleichende Erweiterung der Hauptschlagader, die zu einer Dissektion führen kann, ist symptomlos. Die Risikofaktoren sind unterschiedlich – Bluthochdruck, Erbkrankheiten oder Bindegewebsschwäche gehören dazu. Wie macht sich eine Aortendissektion bemerkbar? Woraus können Ärzte und Betroffene schliessen, dass eine solche vorliegt? Was sind Warnzeichen und was kann präventiv getan werden? Und vor allem wie lässt sich die Krankheit behandeln? Diese Fragen sind Themen am Welttag der Aortendissektion am 19. September. Spezialisten klären Kolleginnen und Kollegen sowie die Öffentlichkeit über die Krankheit auf, und Patientinnen und Patienten treffen sich zum Erfahrungsaustausch. Er wird dieses Jahr weltweit an 16 Orten begangen – vor allem in den USA und Skandinavien.